Das Meer, das Rauschen und ich

Es war nur noch das Meer und das Rauschen. Keine Ahnung, ob das Meer rauschte oder ob es nur das Geräusch in meinen Ohren war, das kommt, kurz bevor ich umfalle. Vielleicht war da aber auch gar kein Blut mehr, das rauschen konnte, kein Leben. Alles ausgeblutet, alles vorbei. Manchmal, manchmal fühlt es sich so an. Als wäre da nichts mehr, meine ich. Nichts mehr außer das Meer und immer dann, wenn ich nicht mehr damit rechne, ein Herzschlag. Und das reicht ja auch. Meistens. Bisher. Aber nun denke ich immer öfter, wie gerne ich mehr hätte. Ich will auch die Sonne, die Wärme, den Strand zum Meer. Ich will so tief atmen, dass ich mein eigenes Rauschen erzeuge. Fast ersticken, am Lachen. Und auch krümmen vor Weinen. Diese Angst vor den elementaren Gefühlen verlieren. Wellenreiten und nicht nur aufs Meer starren. Zumindest mal blinzeln und dann barfuß durch die Brandung gehen. Oder ein bisschen stolpern. Und hinfallen. Und aufstehen. Warum auch immer dieses „wieder aufstehen“ son großes Ding für alle ist, so erstrebenswert scheint. Ich zweifele daran, dass das immer sofort sein muss. Dennoch, wenn die Flut kommt, will ich wieder stehen. Dem Wunsch des Ertrinkens widerstehen. Und mit flacher Hand auf die Wasseroberfläche schlagen und darauf aufpassen, dass da genug Leben ist. In mir. Ich fürchte so, zu viel zu lauschen, um heraus zu finden, woher das Rauschen kommt. Anstatt so laut zu schreien, dass das Rauschen untergeht. Und dann sind da das Meer und ich. Und mein Herzschlag. Und dann hole ich Luft. Und dann schaue ich nicht mehr in die blaue, Ruhe ausstrahlende Unendlichkeit vor mir. Ich renne hinein und wenn es das nächste Mal rauscht, dann weil mein Herz Wellen schlägt.

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