Über mich (und diesen Blog)

Meinen Blog “Nerven aus Zuckerwatte” mit der kurzen Beschreibung “Wie schaffe ich es, meine Erkrankungen als Teil von mir zu akzeptieren, sie aber bei bestimmten Problemen nicht als meine persönliche Schwäche anzusehen?” habe ich im Januar 2015 gegründet. Dahinter steck(t)e ich – dahinter versteckte ich mich. Es gab meine Gedanken zu lesen, die meist persönlicher waren, als es jede Vorstellung meiner Person hätte sein können. Dennoch gab es nie eine richtige “Über mich”-Seite. Es gab nicht mehr als “Katharina, geboren 1991, aus dem Hamburger Umland, Diabetes Typ 1 seit 2008, Depressionen seit 2010, Multiple Sklerose seit 2014” als Teil der eben erwähnten Blog-Beschreibung. Es sind fast 4 Jahre vergangen, bis ich heute, im November 2018, bereit bin, mich zu zeigen – mit Worten, Bildern und all den Facetten, die mich ausmachen.

Ich kann in diesem Moment nicht sagen, wie ich es gemacht habe, aber ich habe es geschafft. Ich habe diese Aufgabe, meine Krankheiten zu akzeptieren und nicht als meine persönliche Schwäche anzusehen, abgeschlossen. Und noch viel mehr: Ich habe gleichzeitig angefangen, mich selbst zu akzeptieren und mache mir gar nicht mehr so viele Gedanken über “persönliche Schwächen”. (Zumindest an den guten Tagen.)

Ob Typ 1 Diabetes; “Schina” anstatt “China” zu sagen; immer ein bisschen mehr Kuchen zu essen, als alle anderen; Depressionen; mit sämtlichen Tieren wichtige Dinge zu besprechen – und mit ihnen auch eigentlich lieber Zeit zu verbringen, als mit den meisten Menschen; beim Autofahren zu den Lieblingsliedern so laut mitzusingen, dass ich danach heiser bin; Multiple Sklerose; am Meer glücklicher zu sein als woanders oder geliebte Menschen immer genau dann umarmen zu wollen, wenn sie gerade weit weg sind – all das bin ich und nichts davon ist eine Schwäche. Vielleicht ist auch nichts eine Stärke. Wie wäre es, Dinge einfach ohne Wertung zu sehen? Das ist mein nächstes Ziel.

Ich und meine Nerven aus Zuckerwatte

Ich bin immer noch unsicher, (übermäßig) selbstkritisch und frage mich regelmäßig, wie man eigentlich so sein kann, wie ich es bin. Aber ich gehe dabei anders mit mir um. Ich kümmere mich besser um mich. Ich und mein Wohlbefinden fingen an, an erster Stelle zu kommen und während ich mich immer wichtiger nahm, lernte ich mich zu schätzen. Wenn ich es schaffe, mich so um mich zu kümmern, dass es mir gut geht, habe ich doch ganz schön was geleistet. Und wenn ich den Weg, den ich gegangen bin, durch Worte mit anderen teilen (und ihnen damit vielleicht ein bisschen helfen) kann, dann habe ich sogar ein Talent.

Ich habe mehr zu erzählen, als Krankheitsgeschichten – aber sie gehören eben auch dazu. Zu mir: Katharina, geboren 1991, aus dem Hamburger Umland, Diabetes Typ 1 seit 2008, Depressionen seit 2010, Multiple Sklerose seit 2014.

Typ 1 Diabetes: Die Diagnose bekam ich im Januar 2008 in meiner Hausarztpraxis. Zuvor hatte ich innerhalb von 3 Wochen 10 Kilogramm abgenommen und als dann das Wort “Diabetes” fiel, tauchten vor meinem inneren Auge sämtliche stereotypische alte, übergewichtige Menschen auf und ich konnte nicht verstehen, was das mit mir zu tun hatte. Schon gar nicht, weil ich “so schön” abgenommen hatte und außerdem wollte ich einfach nur ein großes Glas Fanta trinken – wenn ihr wüsstet, was für einen Durst ich hatte. Kurz danach lernte ich das Krankheitsbild des Typ 1 Diabetes kennen und verstand, dass diese Gewichtsabnahme ein Symptom des Ganzen war. Alles änderte sich und auch 10 Jahre später ist mein Leben mit Typ 1 Diabetes nicht immer routiniert. Diabetes zu haben bedeutet nicht, dass alles geregelt ist, sobald man sich das fehlende Insulin injiziert hat. Diabetes zu haben, bedeutet, rund um die Uhr die Arbeit der Bauspeicheldrüse zu übernehmen – und das am besten so erfolgreich, dass die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen möglichst minimal bleibt. Ich versuche meinen 24/7-Job mit Hilfe einer Insulinpumpe und eines CGMs zu managen und bin dankbar zurzeit ein tolles Diabetes-Team hinter mir stehen zu haben.

Depressionen: Die Diagnose bekam ich das erste Mal, als ich 16 Jahre alt war (2007) – doch richtig einordnen konnte ich das zu diesem Zeitpunkt nicht. 2010 befand ich mich in einer so schweren depressiven Phase, dass ich zum ersten Mal Antidepressiva verschrieben bekam – zusammen mit dem “F32.2G” stand dann der ICD-Schlüssel “F40.1” (für Soziale Phobien) in meiner Krankenakte. An dem Punkt konnte ich nichts mehr außer weinen, Angst haben und schlafen – ich konnte kein Gespräch führen, ohne dass mir die Tränen kamen. Inzwischen ist die Sozial-Phobie kaum noch spürbar – vielleicht gar nicht mehr und es ist einfach normale Schüchternheit, die mich begleitet -, die Depression hingegen wird mich wahrscheinlich nie komplett verlassen. Es gibt immer wieder Trigger, die mich in eine depressive Phase schubsen können und wenn ich mittendrin bin, ist wieder alles schwer und dunkel und furchtbar und egal und taub. In den letzten Monaten geht es mir ziemlich gut und solange ich mir bewusst mache, dass es auch plötzlich wieder anders sein kann, habe ich weniger Angst davor, als wenn ich die ganze Zeit hoffe, dass es mir einfach nie wieder so schlecht gehen wird. Wahrscheinlich ist das auch ein Teil dieser Akzeptanz-Sache. Um soweit zu kommen, habe ich viele, viele Psychotherapie-Stunden wahrgenommen – etwas, wofür sich niemand schämen sollte.

Multiple Sklerose samt Fatique und Restless-Legs-Syndrom: Die Diagnose bekam ich im August 2014. Dem Ganzen voraus ging eine Zeit von 6 Jahren auf der Suche nach einer Erklärung für meine Symptome. Auch die finale Diagnose wurde in einem Ausschlussverfahren gestellt, da viele Schulmediziner eine MS ohne positiven Liqourbefund nicht “anerkennen”. Eben aus diesem Grund behandele ich die Multiple Sklerose auch nicht schulmedizinisch und kann außerdem froh sein, bisher nur einen Schub (zum Zeitpunkt der Gründung meines Blogs) gehabt zu haben. Das ausgeprägteste Symptom meiner MS ist die Fatique. Dabei handelt es sich um einen anhaltenden Erschöpfungszustand, der sich durch Schlaf und Ruhe nicht lindern lässt. Nach zu viel Belastung bekomme ich starke Empfindungsstörungen in den Füße, in den Beinen und später auch in den Armen. Außerdem habe ich durchgehend einen erhöhten CRP-Wert (Entzündungsparameter). Solange ich mich nach meinen eigenen (Energie-)Grenzen richte, sind meine MS-Beschwerden für mein Umfeld meistens nicht wahrnehmbar. Dennoch ist meine Leistungsfähigkeit dadurch sehr eingeschränkt.

Beschwerden, Symptome und die persönliche Wahrnehmung von Krankheiten sind individuell – mein Blog ist kein Maßstab dafür und meine Beiträge ersetzen erst recht keinen ärztlichen Rat. Wer gesundheitliche Beschwerden (psychisch oder physisch) hat, sollte sich unbedingt an kompetentes Fachpersonal wenden. In akuten psychischen Krisen findet ihr bei “Freunde fürs Leben” eine Übersicht mit Telefonnummern, bei denen ihr Hilfe bekommt.

Habe ich eine unfassbar wichtige Frage zu mir nicht beantwortet, die auch für andere Leser_innen interessant sein könnte? Dann schreibt mir an katharina@nervenauszuckerwatte.de und ich ergänze diesen Text gegebenfalls.