Wechsel vom FGM zum CGM – was ist anders?

Am liebsten würde ich den Satz bei jedem der folgenden Punkte mit „Es ist ein deutlicher Unterschied“ oder einer ähnlichen Floskel beginnen, aber es lässt sich einfach auch nicht wegreden, dass zwischen dem FreeStyle Libre und dem Dexcom G5 Welten liegen. Klar, es sind nun einmal auch zwei verschiedene Systeme – das eine ein FGM, das andere ein CGM – aber dennoch redete ich mir insbesondere während meiner Tragezeit des FGMs oft ein, dass der Unterschied bis auf die fehlende Alarmfunktion gar nicht so gravierend wäre. Aber: Es ist ein deutlicher Unterschied.

Die Setzhilfe/das Setzen des Sensors

Das Setzen des Dexcom-Sensors, verbunden mit dem Anbringen des Transmitters, hat mich von Anfang an abgeschreckt. Schon beim Probetragen vor bald zwei Jahren empfand ich den Vorgang als super kompliziert und das, obwohl ich das damals gar nicht selbst machen musste. Die ersten Male beim Sensor-Wechseln war ich schon Stunden vorher aufgeregt, bin jedes Mal die Bedienungsanleitung Schritt für Schritt durchgegangen und habe, bis alles so oft „Klick“ gemacht hatte und eingerastet war wie beschrieben, wahrscheinlich nicht einmal geblinzelt. Besonders unangenehm finde ich den Part, wenn der Transmitter auf den Sensor geklemmt wird. Ich habe dabei immer die Sorge, den Sensor-Faden irgendwie in mir zu verbiegen – ob das sinnvoll ist oder nicht.

Die Kalibrierung

Wie schon in meinem letzten Artikel über den Wechsel vom FGM zum CGM beschrieben, war es für mich eine Zeitlang ein wahr gewordener Traum, meinen Blutzucker nicht mehr konventionell, also mit einem Blutstropfen aus der Fingerbeere, messen zu müssen – oder es im Optimalfall nur alle 14 Tage ein-, zweimal zu tun. Doch nachdem die vom FGM gelieferten Werte aus dem Gewebezucker immer öfter (zu) stark vom „richtigen“ Blutzuckerwert abwichen, wurde mir bewusst, wie praktisch es doch wäre, wenn der Sensor eine Art Orientierungshilfe bekommen würde. Und obwohl ich das blutige Messen kurz bevor ich mein FGM 2015 bekam, kaum noch ertragen habe, schien die Piks-Pause von etwas über zwei Jahren genug Zeit gewesen zu sein, um meine Abneigung dagegen wieder in den Griff zu bekommen.

Mit dem Dexcom G5 ist es nun wieder Routine für mich, zweimal täglich die Lanzette zu spannen, einen Blutzuckerteststreifen aus seiner Dose zu fummeln und den benutzten dann irgendwo im Haus liegen zu lassen. Abgesehen davon, dass die Kalibrierung einfach notwendig ist, finde ich es im Moment auch ganz spannend, dadurch regelmäßig zu sehen, wie genau die gelieferten Werte des Sensors sind – und sie sind in der Regel sehr genau.

Die Setzstelle/der Tragekomfort inklusive Pflasterverträglichkeit

Die von Dexcom empfohlene Setzstelle für den Sensor ist der Bauch, und obwohl ich fest davon ausging, mich nicht daran zu halten und mir das CGM am Arm oder am Bein zu setzen, habe ich bisher jeden Sensor am Bauch gesetzt. Es funktioniert einfach zu gut, um es nicht zu tun. Für das FreeStyle Libre gilt ja der Oberarm als optimale Setzstelle, allerdings hat meine Haut das Pflaster dort nie so richtig gut vertragen, und da die Genauigkeit der gescannten Werte unverändert blieb, als ich den Sensor zum ersten Mal am Oberschenkel setzte, war das ab da an mein favorisierter Spot. Zwar juckte und zwickte die Haut dort auch, aber irgendwie war es erträglicher als am Arm und, wie gesagt, genauere Werte bekam ich am Arm auch nicht.

Das Dexcom jetzt scheint am Bauch – zumindest bei mir – tatsächlich den idealen Lebensraum gefunden zu haben. Die Werte sind genau, die Haut unter dem Pflaster bleibt unbeeindruckt, und da ich wegen der während der ICT herangezüchteten Lipohypertrophien am Bauch eh nicht viel Spielraum für Kathetersetzstellen habe, kann ich ihn nun wunderbar für den Sensor beanspruchen.

Der Stressfaktor

Ich glaube, das mitunter ständige Erinnertwerden an Blut- oder Gewebezuckerwerte außerhalb des Zielbereiches macht nicht nur mir manchmal schlechte Laune. Aber genau das ist ja der Job eines CGMs: Es überwacht den Gewebezuckerverlauf und meldet, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Obwohl ich eine „Viel-Scannerin“ war, konnte ich bei dem FGM ja trotzdem bestimmen, ob ich mir meinen Wert jetzt angucken möchte oder eher nicht, das CGM piept – ab einer bestimmten Grenze – einfach los.

Ich bin froh, dass mir bei der Einweisung in das Dexcom-System empfohlen wurde, die selbst bestimmbaren Grenzen der Warnungen erst einmal im hohen Werte-Bereich anzusetzen, um nicht ständig bei postprandialem Blutzuckeranstieg vom CGM Bescheid zu bekommen. Außerdem lässt es sich einstellen, nach welchem Zeitraum die Warnungen wiederholt werden sollen. Also kein Grund, sich einem größeren Stress auszusetzen als nötig, solange man seine Gesundheit im Blick behält.

Verbindungsprobleme

Ab und zu kam es vor, dass das FreeStyle-Libre-Lesegerät mir eine Fehlermeldung anzeigte, dass ich erst in 15 Minuten erneut versuchen könne, meinen Sensor zu scannen, und solange ich ansonsten innerhalb von 8 Stunden immer einmal den Gewebezuckerwert abgelesen habe, bekam ich so eine weitestgehend lückenlose Dokumentation zusammen.

Beim CGM sieht es insofern anders aus, dass es ja dauerhaft über Bluetooth mit dem Empfängergerät und/oder einem Smartgerät gekoppelt ist und dadurch sofort auffällt, wenn die Verbindung unterbrochen ist – wodurch die Alarmfunktion dann auch nicht mehr gewährleistet ist. Da ich mein Smartphone aber eh meistens bei mir habe, empfange ich zumindest darüber meistens sehr zuverlässig die Werte. Nur beim Autofahren muss ich mich immer noch daran erinnern, eines der Empfängergeräte in die Mittelkonsole und nicht auf die Rückbank oder in den Kofferraum zu legen, um während der Fahrt im Fall der Fälle gewarnt zu werden.

(Dieser Beitrag ist am 21. Juni 2018 in der Blood Sugar Lounge erschienen.)

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