Kopfkram, Körperkram, Lebenskram.

Können wir darüber reden? Das frage ich mich. Darüber, wie es mir geht, meine ich. Es geht mir irgendwie gut und irgendwie schlecht und das zeitgleich oder abwechselnd. Manchmal über längere Zeit gut, so wie zuletzt. Und nun seit ein paar Tagen schlecht. Aber diese paar Tage fühlen sich jetzt schon viel länger an, als die gute Phase davor. Die über Wochen ging. Ich schreibe hier wenig, erzähle der Welt in meinem Kopf aber pausenlos Geschichten. Aber die Geschichten bleiben stumm, weil ich das Gefühl habe, sie irgendwann laut aussprechen zu wollen, wenn ich ein konkreteres Gegenüber als die Welt dafür habe. Etwas heileres, stabileres als nur die Welt, an die ich denke. In meiner Welt gibt es dieses Loch, das gefüllt werden will, um diesem fehlenden Puzzlestück und dann dem ganzen Großen alles zu erklären. Ich habe MS-Beschwerden. Und die hatte ich den letzten Monaten immer wieder, aber ich schrieb nicht mehr darüber. Ich bekomme diese Beschwerden, wie beispielsweise Missempfindungen in den Armen, Kraftlosigkeit und Fatigue-Symptome, immer, wenn ich zu viel unternehme – zu viel (er)lebe. Ich glaube, ich habe inzwischen ein ganz gutes Maß gefunden, an dem ich ungefähr einschätzen kann, wie viel geht. 3 Tage sind das, die gehen. 3 Tage am Stück in der Welt und 4 Tage am Stück im Bett oder 1 Tag leben, 1 Tag schlafen im Wechsel. Es gibt die Zeit, da akzeptiere ich das. Da bin ich nicht traurig darüber, da muss ich mich auch nicht mehr vor mir rechtfertigen. In den letzten Wochen habe ich so viel am Leben teilgenommen, dass ich verdrängt habe, dass die “Rache” dafür unbequem werden könnte. Und nun ist diese Rache, das was nach der guten Zeit immer kommt, eben wieder da. Es ist nicht dramatisch. Es ist kein Schub, das weiß ich. Ich habe nur diesen Akku, der sich bei MS so anders auf- und entlädt wieder aus seinem Rhythmus gebracht. War es das wert? Dinge zu übertreiben, mich reinzusteigern ist absolut mein Ding, während ich das tue. Sowohl ich positiven Höhen oder auch negativen Tiefen. Bis ich die Nerven oder meine Energie verliere – und Angst bekomme, dass auch mein Leben in dieser Liste stehen könnte. Dann gefällt mir das alles nicht mehr. Aber was, wenn ich einfach die ganze Sache, das Leben, in sonem Einheitsgeplätscher verbringe? Dann geht es mir vielleicht nie richtig schlecht (körperlich), aber auch nie richtig gut (seelisch). Die Sache mit unseren Körpern ist auch etwas, was mich beschäftigt. Wie unwichtig sind die eigentlich? Rein äußerlich betrachtet. Mir geht es da nicht (nur) um dick oder dünn sein, schwach oder kräftig. Womit ich klarkommen muss sind doch die Entscheidungen, die ich treffe. Fantasien die ich habe, zu diesen auch zu stehen oder sie wenigstens heimlich zuzulassen. Ich denke. Und ich fasele. Hier. Und in meiner imaginären, stummen Welt. Ich denke unfassbar gerne. Manchmal denke ich, dass ich so gute Sachen denke, dass ich einfach nur einen Adapter am Hirn bräuchte, um unfassbar reich mit dem da produzierten zu werden. Und dann denke ich hin und wieder:

Nur noch ein blinkender Cursor. Wie hypnotisierend.

Na gut. Vielleicht denke ich gar nichts so weltbewegendes. Manchmal: Fick dich. Manchmal: Ich liebe Butter Pecan Sirup. Manchmal: Hä?

Ich habe mich in meinem Leben noch nie so sehr mit mir identifiert, wie in diesem Jahr. Ich habe gelernt, ich zu sein – und da zeitweise sogar drüberzustehen.
Ich brauche nur Zeit zum Denken. Zeit zum Leben. Zeit mich davon zu erholen. Zeit für mein eigenes Tempo. Und dann ist es die Zeit, die versucht zu trösten. Und irgendwann wird es die Liebe sein, die versucht zu bewahren. Dass ich weiß, dass ich drüber hinweg komm, wie ich früher einmal war.

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